Der Businessplan

Mag. Johannes Mörtl, PwC Das Fehlen eines Businessplans gilt als einer der Hauptgründe für das Scheitern von Jungunternehmern. Der Businessplan soll konkrete Ziele zur Umsetzung der Geschäftsidee beinhalten und den Weg, der beschritten werden soll, vorgeben.

Experteninterview mit Mag. Johannes Mörtl, PricewaterhouseCoopers

Was ist ein Businessplan und wozu dient er?

Der Businessplan ist der Fahrplan zur Realisierung der Ziele eines Unternehmens. Er hält die Geschäftsidee, Ziele, Maßnahmen und Planungen schriftlich fest. Durch den Plan wird klar, ob und unter welchen Bedingungen sich eine Geschäftsidee rechnet und finanzierbar ist. Ein Jungunternehmer kann seine strategischen Alternativen nur dann entsprechend sorgfältig evaluieren und Schwachstellen des Geschäftskonzeptes erkennen, wenn er sich gesamthaft mit der Geschäftsidee befasst.

Der Plan stellt weiters die Beurteilungsgrundlage für einen Investor, Kreditgeber oder eine Förderstelle dar und dient auch zur Präsentation des Unternehmens gegenüber Geschäftspartnern.

Was ist bei der Erstellung besonders zu beachten?

Besonders wichtig ist die strukturierte und verständliche Aufbereitung des Businessplans. Der Jungunternehmer muss darauf achten, alle wesentlichen Punkte wie Unternehmensziele, strategische Ausrichtung, Kundennutzen, Produkte, Dienstleistungen, Marketing, Vertrieb usw. aus Sicht des Lesers verständlich und konsistent darzustellen. Der Businessplan beeindruckt durch Klarheit (roter Faden), sachliche, präzise Formulierungen und Konzentration auf das Wesentliche. Also knapp aber vollständig und für den technischen Laien verständlich.

Nicht zu vergessen: Der Businessplan sollte als eine Art „Visitenkarte“ auch ein optisches Aushängeschild für das Unternehmen sein.

Abhängig vom unternehmerischen Ziel kann die Gestaltung variieren. Welche Punkte müssen auf jeden Fall enthalten sein?

Grundsätzlich gibt es keinen „vorgeschriebenen“ oder „richtigen“ Aufbau eines Businessplanes. Es ist aber darauf zu achten, dass alle wesentlichen Punkte enthalten sind.

Um die strukturierte Planung zu erleichtern, haben wir den sogenannten „10 Punkte Plan“ entwickelt, der durch geführte Fragestellung sicher stellen soll, dass der Unternehmer alle wichtigen Punkte bei der Planung berücksichtigt. Im Wesentlichen sind dies:

  • Zusammenfassung (Executive Summary)
  • Das Unternehmen
  • Der Markt
  • Produktion, Betrieb, Leistungserstellung
  • Absatz, Vertrieb, Marketing
  • Gründer/Management
  • Chancen und Risiken
  • Durchführung und Ablaufplanung
  • Finanzplanung (Finanzdaten)
  • Detailplanung

Hier können Sie eine Excel-Vorlage für einen detaillierten Businessplan herunterladen.

Soll der/die Jungunternehmer/in den Businessplan selbst erstellen? Oder ist es empfehlenswert, sich hier Unterstützung zu holen?

Selbstverständlich kann und soll der Verfasser dabei auf professionelle Hilfe zurückgreifen. Dies ist vor allem in Bereichen wichtig, in denen der Jungunternehmer nicht so versiert ist. Dies ist auch mit ein Grund, warum Raiffeisen und PricewaterhouseCoopers den Jungunternehmerclub aus der Taufe gehoben haben: Dabei kann der Jungunternehmer kostengünstig auf Experten unterschiedlicher Branchen zurückgreifen.

Allerdings ist es wichtig, dass der BusinessPlan vom Unternehmer selbst gemeinsam mit Unterstützung der Experten erstellt wird, da es ja sein eigener Plan ist und er diesen vertreten muss.

Inwieweit ist eine spätere Anpassung möglich bzw. zulässig?

Die Globalisierung der Märkte, komplexe Marktstrukturen, steigende Regeldichte durch den Gesetzgeber, kürzere Entwicklungszeiten, wachsende Ungewissheit der Umweltentwicklung und verstärkter Wettbewerbsdruck führen dazu, dass der Unternehmer rasche, situationsbezogene Entscheidungen treffen können muss. Daher ist ein ständiger Soll-Ist-Vergleich und eine entsprechende Anpassung bei Abweichungen unerlässlich.

Eine der wichtigsten Funktionen des Businessplans ist die Kontrolle der Realisierung der Unternehmensziele. Nur wenn ein Businessplan nach der Erstellung gelebt wird und nicht in der Schublade verschwindet, kann dieses wichtige Unternehmensführungsinstrument seinen Nutzen entfalten.

Welche sind die häufigsten Fehler, die bei der Erstellung eines Businessplans passieren? Wie kann man diese vermeiden?

Die häufigsten Fehler, die wir in unserer Beraterpraxis finden, sind eine zu ambitionierte Planung der Umsätze und der Ergebnisse bei gleichzeitig mäßigem Kostenwachstum. Weiters werden die Vertriebskosten sehr oft unterschätzt. In vielen Plänen vermissen wir ein Marketing- und Vertriebskonzept, das der Geschäftsidee angemessen ist bzw. sind die textlichen Aussagen oft nicht mit den Zahlen der Planung stimmig.

Generell ist zu sagen, dass die Schlüssigkeit der Businesspläne oft zu wünschen übrig lässt. Dies ist unserer Ansicht nach darauf zurückzuführen, dass das Konzept nach Fertigstellung nicht daraufhin überprüft wird, ob die einzelnen Kapitel miteinander übereinstimmen und auch entsprechend in der Finanzplanung abgebildet sind.

Teilweise ist auch eine gewisse Euphorie von Gründern festzustellen. Dies geht meist mit der Vernachlässigung einer gewissenhaften Markt- und Branchenrecherche einher. Aussagen wie „ein solches Produkt gibt es noch nicht am Markt“ oder „wir haben keine Konkurrenz, wir sind einzigartig“ sind prototypisch dafür.

Die Finanzplanung ist ein wesentlicher Bestandteil jedes Businessplanes, denn schließlich geht es um die entscheidende Frage, ob sich die Geschäftsidee auch rechnet. Welche Tipps haben Sie für Jungunternehmer/innen, damit diese bei der Erstellung des Finanzplans nicht die Realität aus den Augen verlieren?

Durch den Finanzplan muss der Jungunternehmer im Stande sein, Antworten auf Fragen wie z.B.

  • Wie viel Kapital wird zum Unternehmensstart benötigt?
  • Wie hoch ist der laufende Mittelbedarf?
  • Wie werden die Geldmittel aufgebracht?
  • Wann wird der Break Even erreicht?
  • Wie hoch ist der zu erwartende Gewinn / Cash Flow?

geben zu können. Da die Finanzplanung über die Überlebensfähigkeit des Unternehmens mitentscheidet, empfehlen wir besonders sorgfältiges Vorgehen.

Inhaltlich sollte die detaillierte Finanzplanung die Plan Gewinn- und Verlustrechnung  - GuV, Planbilanz, einen Liquiditätsplan, einen Investitions- und Abschreibungsplan, Kennzahlen und den Finanzbedarf darstellen. Wir empfehlen eine dreijährige Planung; im ersten Jahr sollte auf Monatsbasis, im zweiten Jahr auf Quartalsbasis und im dritten Jahr auf Halbjahres Basis geplant werden.

Wichtig ist auch eine übersichtliche Zusammenfassung der Detailplanung darzustellen, damit sich der Leser einen schnellen Überblick verschaffen kann.

Soweit die Theorie. Der Businessplan soll jedoch nicht nur eine theoretische Arbeit sein, die wie gesagt in einer Schreibtischlade verschwindet. Wie sieht es nun Ihrer Erfahrung nach in der Praxis aus? Wie viele der erstellten Businesspläne werden auch tatsächlich - wie geplant - umgesetzt? Worauf sollte der/die Jungunternehmer/in achten, dass der (theoretisch beschriebene) Erfolg auch in der Realität aufgeht?

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Vorhaben, die sorgfältig durchdacht, detailliert geplant werden und Erfolgspotenzial versprechen, auch regelmäßig umgesetzt werden. Dazu ist wichtig, dass der Jungunternehmer einen möglichst realistischen Plan erstellt, der in sich schlüssig ist. Sämtliche Zahlen müssen auf ein Preis-Mengen-Gerüst herunter gebrochen und die Annahmen hinter dem Business Plan genau dokumentiert werden.

Oftmals wird der realisierbare Preis für die Produkte oder Dienstleistungen zu hoch angesetzt oder die Produktivität der Mitarbeiter überschätzt. Wir empfehlen daher, die Annahmen mit Marktstudien und Konkurrenzinformationen zu vergleichen. Um die Sensitivität der Annahmen auf das Ergebnis des Business Plans zu testen, empfiehlt sich weiters die Darstellung eines best, worst and base cases, d.h. mehrere Varianten von der realistischen bis zur optimistischen Planung.

Investoren/Banken interessiert der fertige Plan, nicht der Prozess. Beim Querlesen sollte die Geschäftsidee und ihre Chancen und Risiken sowie das Unternehmensziel mit Kundennutzen und Renditepotenzial erkennbar sein. Der Mittelbedarf und die Finanzierung müssen übersichtlich dargestellt und nachvollziehbar sein. Man sollte besonders darauf achten, dass die Executive Summary in übersichtlicher Form die wesentlichen Komponenten des Konzeptes zusammenfasst. Eine perfekte Executive Summary entscheidet darüber, ob Investoren und Banken sich für den Rest des Konzeptes interessieren.

Generell raten wir, nicht den Wunsch zum Vater des Gedanken werden zu lassen. Bei Start-ups ist eine längere Anlaufphase jedenfalls der Normalzustand! Entscheidend ist, ob das Projekt einen Zusatzkundennutzen darstellt und auch Marktreife besitzt.

Und: Vielfach vergessen die Gründer auch auf sich selbst als Privatperson: Womit finanziere ich meinen Lebensunterhalt, vor allem in der Anfangsphase? Steht meine Familie hinter mir, habe ich ausreichend Unterstützung, usw.

Herr Mag. Mörtl, vielen Dank für das interessante Interview!